Freitag, 4. April 2014

Hypnotized


Igår lyssnade vi på hela den stora h-mollmässan, detta besynnerliga, mångfacetterade och verkligen överväldigande verk, som jag faktiskt gillar mest av alla hans stora körverk. Den är som en lång resa förbi många väldigt olika platser, ibland går man barfota på vassa stenar, alldeles ensam i stekande sol, ibland i en sval bäck med sandbotten, kantad av skuggande träd, med någon i handen, sedan rusar man iväg på en fullblodshäst med vilt klappande hjärta tillsammans med många andra, och hela tiden är det något andligt med, något som inte går att gripa, men som gör att man inte tappar modet...

För att komma hem efteråt åker vi spårvagn och där på vagnen sitter vi alltid längst fram för där finns ju de markerade platserna för handikappade, och folk springer iväg direkt när Herr Mås dyker upp med sin vita käpp. Vagnen körs på något sätt ganska energiskt och temperamentsfullt, rena motsatsen till en del förare som försiktigt sniglar sig fram genom stan. Från förarhytten hörs musik, den spelas ganska högljutt faktiskt, och även den är energisk och temperamentsfull. Efter ett tag är Herr Mås nära att gå fram för att tipsa den unge mannen om musikens volym. Jag kan dock hejda honom, för jag tycker att alla har rätt till sin h-mollmässa.





"Durchlauchtigster Kurfürst, Gnädigster Herr, Eurer Königlichen Hoheit überreiche ich in tiefster Devotion gegenwärtige geringe Arbeit von derjenigen Wissenschaft, welche ich in der Musik erlangt, mit ganz untertänigster Bitte, Sie wollen dieselbe nicht nach der schlechten Komposition, sondern nach Dero Welt berühmten Güte mit gnädigsten Augen anzusehen und mich darbei in dero mächtigste Protektion zu nehmen geruhen... — ...unterhänigst-gehorsamster Knecht Johann Sebastian Bach."


Gestern waren wir im Konzerthaus und haben Bachs h-Moll-Messe gehört. Dieses Werk ist für mich irgendwie noch eindrucksvoller als seine großen Oratorien, denn es ist so unglaublich vielfältig, wie eine lange, lange Reise, vorbei an ganz unterschiedlichen Plätzen. Manchmal geht man barfuß auf spitzen Kieselsteinen ohne Schatten in der heißen Sonne, ganz und gar allein. Dann kommt plötzlich ein schmaler Bach mit einem sandigen Bett und mit Bäumen am Ufer, und jemand, der einen an die Hand nimmt. Und manchmal reitet man auf einem wilden Pferd, zusammen mit vielen anderen und das Herz hopst einem bald aus der Brust. Und die ganze Zeit ist da etwas in der Luft, über oder dicht neben einem, etwas unbegreifliches, etwas, das einem Kraft und Mut gibt...

Nach dem Konzert fahren wir mit der Straßenbahn nach Hause und weil die für Schwerbeschädigten markierten Plätze ganz vorne sind, sitzen wir wie immer ganz vorn. Die Bahn saust durch die dunkle Nacht, der Fahrer ist ein junger Mann mit dunklem Bart und er fährt sehr schwungvoll und energisch, obwohl es eine von den ganz alten Straßenbahnen ist. Aus seinem kleinen Kabuff ist ziemlich laute Musik zu hören und Herr Möwe will schon hingehen und ihn ein bisschen anschnauzen deswegen. Aber ich halte ihn fest und sage: "Lass ihn, ich finde, er fährt uns prima und außerdem hat jeder das Recht auf seine eigene h-Moll-Messe."


* * *

Die Musik, die er hörte? Ja, die finde ich eigentlich gar nicht so übel... Dass ich mal nähere Bekanntschaft mit ihr schließen durfte, verdanke ich meinem lieben Sohn. (...wie so manches andere. Ohne seine Metal-Begeisterung wäre ich zum Beispiel gar nicht hier im Norden gelandet... :-) Und also habe ich mir heute die fetten Kopfhörer aufgesetzt und höre nebenbei "heimlich" ein wenig System of a Down.


Hier sind meine Lieblingsstücke:





(Hier gibt es gleich eine ganze Sammlung ihrer besten Songs.)



Und vielleicht kann ich Herrn Möwe sogar davon überzeugen, 
dass das gar keine bösen Jungs sind. ;-) Der Frontmann hat
nämlich inzwischen eine Unterwassersinfonie geschrieben.


1 Kommentar:

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Jättekram,
liebe Keri,
für diesen deinen Satz 'Alle haben das Recht auf ihre eigene h-moll-Messe'.

Den merke ich mir!

Herzlich Hausfrau Hanna