Samstag, 25. Januar 2014

Eine Trillerpfeife und ein paar nasse Füße


Der Botanische Garten hier in der Nähe von Las Palmas ist ein richtiges Kleinod, das heißt, er ist ein ziemlich großes Kleinod, aber wirklich ein wunderschönes, und außerdem ist der Eintritt frei. Warum er ein bisschen abseits liegt, habe ich jetzt erst verstanden, als ich nämlich in den letzten Tagen etwas ausführlicher über den Gründer dieses Gartens im Internet nachgelesen habe. Er war ein Schwede, dieser Gründer, und er hat sich viele Jahre seines Lebens voller Hingabe mit der Flora der Kanaren beschäftigt - besonders mit der endemischen - und dann hat er tatsächlich die Möglichkeit bekommen, diesen Garten hier anzulegen bzw. anlegen zu lassen. Als Standort hat er einen gewählt, an dem sich so viele einheimische Pflanzen wie möglich wohlfühlen sollten, ja, einheimische, denn das ist der Schwerpunkt. In den meisten Botanischen Gärten sieht man ja eher Exoten aus aller Welt und weniger Einheimisches, etwas, das ich eigentlich ziemlich schade finde. Auch in Göteborg hat man erst vor zwei Jahren angefangen, eine (relativ kleine) Norden-Ecke im Botanischen Garten anzulegen, sonst sieht man vor allem Gewächse aus anderen Ländern...

Nun, auf jeden Fall, dieser Garten hier bei Las Palmas ist sehr schön und auch etwas spektakulär mit seiner Lage an einem steilen Hang und in einem besonders fruchtbaren Barranco. Am Donnerstag bin ich nachmittags dorthin gefahren, mit einem Bus, der direkt hier von unserem Busbahnhof in Santa Catalina bis zum oberen Eingang des Gartens fährt. Am Busbahnhof wird auch extra darauf hingewiesen, welche Linie man nehmen muss und was es kostet: 1,65 Euro, das ist ja lachhaft! Weniger lachhaft war dann aber das Schild, das am Tor des oberen Eingangs zum Botanischen Garten hing und das fette Vorhängeschloss gleich darunter: Dieser Eingang ist geschlossen, Erdrutschgefahr wegen Regen, benutzen Sie bitte den unteren Eingang. Da stand ich dann davor wie ein begossener Pudel, obwohl es gerade gar nicht geregnet hat, und ich habe mich gefragt, ob die Erdrutschgefahr wohl kleiner ist, wenn man den Hang von unten besteigt, denn ein paar Besucher habe ich ja gesehen auf der anderen Seite des Zaunes. Aber als Fußgänger kommt man ganz einfach nicht zum unteren Eingang, nur als Vogel oder als Autofahrer. Es gibt keinen Weg dorthin, nur einen seeehr langen Umweg die Straße entlang und dort gibt es auch keinen Bürgersteig, und auf der Straße wollte ich nicht gehen, denn dort wurde schon dieser Schwede, der den Garten mal gegründet hat, von einem Auto überfahren.

Da war guter Rat teuer... Aber als gestandener Geocacher ist man ja so manches gewohnt und macht auch manchmal Sachen, die vielleicht Eltern ihren Kindern nicht unbedingt vormachen sollten. Ich bin also einfach über das verschlossene Tor geklettert. Es war ja nicht so hoch. Und dann bin ich stundenlang durch diesen Garten gestreift und auch viele schmale Wege am Hang entlang gegangen und gerutscht ist es nirgendwo. Ach, war das schön! Und so viele interessante Gewächse habe ich bestaunt! Was ich nicht bedacht hatte, war dann allerdings, dass schon gegen halb sechs ein Wächter mit einer Trillerpfeife angefangen hat, die Leute so allmählich zum unteren Ausgang zu treiben. Was heißt Leute, außer mir habe ich während der ganzen Stunden noch zwei Menschen getroffen. Wir drei Menschen wurden also lautstark trillerpfeifend in eine für mich völlig falsche Richtung gescheucht. Denn zum unteren Ausgang wollte ich ja gar nicht. Dort fährt nämlich kein Bus. Jedenfalls keiner, von dem ich wusste, dass er regelmäßig fährt. Aber ich kam dann wegen der eindringlichen Trillerpfeife einfach nicht mehr zu meinem verschlossenen Tore und meiner bekannten und regelmäßig frequentierten Bushaltestelle zurück. Und außen herum kann man dort wie gesagt nicht gehen.

Da war nochmal guter Rat teuer... Aber irgendwo hatte ich gelesen, dass man durch das schöne, grüne Barranco bis nach Las Palmas wandern kann. Und das habe ich dann probiert. Erst war es ein löcheriger Fahrweg, wo mich ein paar Leute in dicken Jeeps überholt haben, die dort zu ihren Fincas nach Hause gefahren sind. Dann wurde es ein einspuriger Wanderweg, und schließlich war auch der zu Ende, und nur noch ein kleiner Bach war übrig, ansonsten nur beinahe dschungelartige Vegetation an steilen, lehmigen Hängen. Da bin ich dann im Bach gewandert, der war ja nicht tief und das Wasser war nicht kalt und auf dem Grund war schöner Sand. Aber irgendwie kam die Stadt nicht näher, der kleine Bach ringelte sich gemütlich durch das tiefe Tal, und es wurde langsam dunkel. Schließlich habe ich dann aber doch noch einen unscheinbaren Trampelpfad entdeckt, der vom Bach irgendwohin nach oben ging. Und weiter oben, da waren wieder ein paar Fincas und noch viel weiter oben, da war ein Dorf und eine Straße. Die konnte ich hören.

Ich war wahrscheinlich ein ziemlich merkwürdiger Anblick, als ich mit meinen nassen Schuhen und den lehmigen Hosen dann die erste Finca erreichte und auch gleich von einem Rudel Hunde lautstark begrüßt wurde. Ein paar Männer standen vor einer Garage und sie guckten mich mit großen Augen an. Ich habe sie einfach gefragt, ob man auf dem Weg hier ins Dorf komme und ob es dort vielleicht eine Bushaltestelle gibt. Nur ein jüngerer Mann konnte ein bisschen Englisch und er hat beides bejaht, aber stirnrunzelnd irgendwelche Zeichen gemacht, dass es die ganze Zeit zickzack und immer nur bergauf ginge. Keiner von ihnen würde diesen Weg wahrscheinlich zu Fuß gehen, denn auch an ihrer Finca standen ein paar kräftige Jeeps. Aber ich war froh, nach der grünen und nassen Wildnis nun doch wieder in Richtung Zivilisation zu kommen, und schon bald war ich im Dorf und dort habe ich als erstes ein großes Schild gesehen, das allen Autofahrern versprochen hat, dass es bis zum großen Einkaufsparadies "Siete Palmas" gar nicht mehr so weit war. Aha, habe ich gedacht, dann gehe ich jetzt dorthin, denn dort gibt es sicher auch irgendeinen Bus.

Und richtig, nach der grünen Wildnis brach nun die Zivilisation mit lautem Getöse und mit schrecklich vielen Autos über mich herein, aber zum Glück auch mit einem Fußweg und ein paar Zebrastreifen - und schließlich tatsächlich mit etlichen Buslinien, von denen ich mir nur die richtige auszusuchen brauchte. Das war dann auch noch ein Stadtbus, und die kosten nur 1,40 - absolut lachhaft, wenn man bedenkt, was für eine lange Strecke der mich nun transportieren würde.


Ende gut. Alles gut.




Han ägnade största delen av sitt liv Kanarieöarnas växtvärld - och han skapade den vackraste och på något sätt naturligaste botaniska trädgården som jag besökt hittills. Och sedan kördes han över av en bil inte alls långt ifrån just denna trädgård. För att undgå samma öde klättrade jag över en stängd grind i torsdags och jag vadade i en översvämmad barranco, för våta fötter går lätt att torka. Värre är det med vägar där det inte alls finns något utrymme för gående, bara många snabba bilar...


Kommentare:

Per Blomkvist hat gesagt…

Dar war ich auch einmal! So schön, gerade wie Deine Bilder. Der Schwede, Svensson, war in Skirö geboren! Nicht weit von Grimstorp! Liebe Gruesse:) Mossegossen.

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Hoch sollen die schönen, ausgeschilderten und sicheren Wanderwege in der Schweiz leben,
liebe Keri,
das war ja atemberaubend und aufregend zu lesen!
Zum Glück bist du eine mutige, gestandene Geocacherin ;)

Herzlich Hausfrau Hanna

Keri hat gesagt…

@Mossegossen: Ja ja, dass einer vom südschwedischen Hochland sich in die Flora der Kanaren verliebt, das kann ich gut verstehen. ;-)

Soliga hälsningar!

@Hausfrau Hanna: Oh ja, an eure Luxus-Wanderwege denke ich wirklich manchmal sehnsüchtig, wenn ich hier auf der Insel herumstreife. Und ohne mein GPS würde ich mich erst gar nicht in die Landschaft trauen.

Die Wanderkarte mit den Höhenlinien habe ich allerdings dieses Mal in Schweden vergessen. Mit der hätte ich am Donnerstag wahrscheinlich einen anderen Weg gewählt - oder gleich versucht, irgendwie ein Taxi zu bestellen.

Fröhliche Sonntagsgrüße :-)
Keri

welle hat gesagt…

Welch eine hübsche Geschichte!
Ich wäre wahrscheinlich auch über das Tor geklettert.
Gibt es denn noch Bilder vom Weg durch den "Dschungel"?

Gruß Welle

Keri hat gesagt…

Neee du, keine Bilder vom Dschungel, denn da hatte ich genug mit dem Bach und dem Dschungel selbst zu tun und die Kamera auch vorsorglich wasserdicht im Rucksack verpackt.

Winke
Keri