Samstag, 30. März 2013

Passionsmusik


Im ungefähr gleichen Maße, wie ich meine Gedanken von der Leine und meine Seele baumeln lasse, wenn ich draußen in der Natur bin, kommen beide ganz nahe zu mir zurück, wenn ich intensive Musikerlebnisse habe. Dann bin ich sehr gegenwärtig und konzentriert im Jetzt, dann sammle ich mich irgendwie wieder. Das geht allerdings nicht zu Hause beim Musikhören von der Konserve, sondern nur bei richtigen Konzerten. Ja, vielleicht sind viele Musiker überhaupt die einzige Situation, in der ich das Wort viele im Zusammenhang mit Menschen ertragen - und genießen - kann.

Gestern war Herr Möwe auf der Insel Styrsö und hat Pergolesis Stabat Mater gehört. Er will jeden Karfreitag irgendwo Pergolesis Stabat Mater hören, und bisher bin ich auch immer mitgegangen. Aber dieses Jahr war mir irgendwie nicht nach der Stabat Mater in der kleinen Kirche auf der Insel Styrsö, denn dort waren wir schon voriges Jahr am Karfreitag - und da habe ich gemerkt, dass ich mich in dieser Kirche nicht mehr so richtig auf die Musik konzentrieren kann, weil ich in dieser Kirche jedesmal an Hans denken muss...

Da es zu Ostern aber immer genug Konzerte zur Auswahl gibt, bin ich dann heute mit Herrn Möwe in eine andere Kirche gegangen, eine ganz große, und dort wurde Bachs Johannespassion aufgeführt. Und die Musik war auch wirklich richtig gut vorgetragen, schließlich haben sie auf Deutsch gesungen, und ich war ganz drin in der Musik und ganz nahe bei mir... Bis zwei Bänke hinter mir ein behinderter Junge angefangen hat, wie ein Frosch zu quaken. Nicht sehr laut, aber es hat doch gestört. Und nicht nur mich. Ja, ich wollte mich eigentlich nicht darüber ärgern, denn eine Kirche ist schließlich ein Haus, in das alle reingehen können, aber ich habe mich dann doch geärgert, denn die Musiker und Sänger haben schließlich viele Stunden geübt - und die schöne Musik wurde ja doch beeinträchtigt. Auch diese besondere Stimmung in dieser extra langen Pause, die die Musiker immer gerne machen, wenn Jesus seinen letzten Atemzug getan hat, die wurde ganz und gar zerstört.

Ist es intolerant, wenn ich meine, dass die Eltern diesen Jungen eigentlich nicht hätten mitnehmen dürfen in die Kirche zu diesem doch recht anspruchsvollen zwei-Stunden-Konzert?



Es ist vollbracht - mit Andreas Scholl, ganz jung!


Eftersom jag är gärna ute i naturen där tankarna får galoppera iväg ett tag och själen släpps loss på vingar en bit, så behöver jag å andra sidan tillfällen då jag kan samla ihop mig. Detta händer gärna när jag sitter i en konsert och lyssnar på musik, och bara då, alltså inte hemma när jag lyssnar på en skiva. Bara i konserter med levande musik lyckas jag komma in i musiken, då är jag mycket koncentrerad och även väldigt nära mig själv på ett speciellt sätt. Detta blir dock allt svårare för det finns allt oftare människor i publiken som gör att jag blir störd i denna speciella stämning. Vimsiga tanter glömmer att stänga av sina mobiltelefoner, och så hittar de inte knappen för att tysta dem när de plötsligt börjar ringa. För några veckor sedan hade en kille, som satt snett framför mig, sin smartphone på hela tiden och han bläddrade hela tiden och läste något, medan han lyssnade. Och idag medan vi lyssnade på Bachs Johannespassion i Annedalskyrkan då hörde jag plötsligt en groda, som sedan visade sig vara en utvecklingsstörd pojke som satt några rader bakom oss. Han slutade inte med dessa oljud och det var flera runtomkring som blev störda. Kanske till och med de duktiga musikerna och sångarna.

Ja, hade det varit en adventskonsert med allsång och sådant, då hade jag inte alls haft något emot det, men under en två-timmars-konsert med passionsmusik är det ju lite ansvarslöst av föräldrarna att ta med barnet. Eller vad tycker ni?




Ruht wohl - mit Nikolaus Harnoncourt, ganz jung!






Kommentare:

Toni hat gesagt…

Aber was macht uns aus als Menschen? Dass wir jeden mitnehmen, der lebt.
Und klar ist es berauschend, Bach zu hören. Aber ist es nicht auch genauso wichtig, sich als Teil dieses ganzen Daseins zu fühlen? Ohne die Kunst. Ganz pur! Wozu sonst das alles? Leben ist doch gleich Leben, oder etwa nicht? Alles andere ist doch nur Ablenkung.
Das nur als Gedanken meinerseits...

Keri hat gesagt…

Ja, ich hatte ja auch irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil ich mich geärgert und es nicht so einfach ertragen habe. Ach, ich war und bin so hin- und hergerissen. Natürlich sollen ALLE dabei sein dürfen, wenn Bach gespielt wird. Wahrscheinlich ist man einfach nur zu perfektionistisch... Und allzu sehr auf seinen eigenen Kick konzentriert. Dann ist man natürlich sauer, wenn der sich nicht einstellt.

Schade, dass nicht noch mehr Leute etwas kommentiert haben. Ich würde gerne wissen, wie andere darüber denken.

Danke dir für deine Zeilen!!!

Anonym hat gesagt…

Wir waren neulich im Bröhan-Museum zur Eröffnung der Sonderausstellung "Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933." Eine hoch betagte Tochter einer der drei Keramikerinnen, war zu diesem Anlass extra aus London angereist. Sichtlich bewegt war ihr Auftritt und etwas zittrig ihre englischen Worte. Genau zu jenem Moment liefen zwei Kinder des neuen Museumsdirektors lärmend auf dem Obergeschoss herum, so dass Frances Marks leider kaum noch zu verstehen war. Das fand ich sehr schade und unpassend. Annett

Keri hat gesagt…

Liebe Annett,

danke für deinen Kommentar. Ja, das ist natürlich sehr schade und unhöflich, wenn so etwas passiert. Zumal sich die Dame extra für diesen Moment auf den Weg gemacht hatte.

(Ich bin vom 7. bis 15. Mai in Berlin - da müssen wir uns UNBEDINGT mal treffen!!!)

Ganz liebe Grüße
Kerstin

Anonym hat gesagt…

Liebe Kerstin, das wäre so schön!!! Ich freu mich und dein Reisetermin steht schon in meinem Kalender. Alles Liebe zurück, Annett