Freitag, 1. Februar 2013

Panta rhei


Wir steigen in denselben Fluss 
und doch nicht in denselben, 
wir sind es und wir sind es nicht. 

Heraklit


Es gibt Kinder, die bringt der Klapperstorch. Andere hat der Esel im Galopp verloren oder sie wurden ganz einfach beim Bettenmachen gefunden. Wieder andere kamen mit der Erdölleitung. In der Wikipedia steht: "Die DDR-Führung beschloss 1958 den Ausbau ihrer Grundstoffindustrie und bestätigte Schwedt an der Oder als Standort für das Erdölwerk." Eine der Gottheiten meiner Kindheit hieß darum PIPELINE (Das muss man genauso aussprechen, wie es dasteht, also nicht englisch!) und wegen der PIPELINE - welche nicht irgendeine ist, sondern immer noch die längste der Welt - bin ich dort auf die Welt gekommen und nicht irgendwo anders. Nämlich genau dort, wo das ostsibirische Erdöl über die deutsch-polnische Grenze schwappt, ja, gleich dort haben sie damals ein großes Erdölwerk hingebaut - und aus dem kleinen verschlafenen Tabakstädtchen Schwedt an der Oder wurde eine moderne Chemiearbeiter-Stadt.

All die vielen Chemiearbeiter hatten natürlich auch Kinder und die mussten in die Schule, und also brauchte es nicht nur jede Menge Chemiearbeiter (und sehr viele Feuerwehrleute), sondern auch Lehrer. Fertig studierte junge Lehrer durften sich in der DDR nicht einfach aussuchen, wo sie anfangen zu arbeiten, sondern sie wurden dort hingeschickt, wo sie am nötigsten gebraucht wurden. Und also sind meine fertig studierten jungen Lehrer-Eltern nach Schwedt an der Oder geschickt worden - wegen der PIPELINE - und meine Schwester und ich sind dort auf die Welt gekommen. Das heißt zuerst ich und dann meine Schwester, aber so rum darf man es ja eigentlich nicht sagen, weil es unhöflich ist.



Meine Schulklasse nach einem Besuch bei unserer Patenbrigade:
einer Gruppe Feuerwehrleute (spannend!) im Chemiekombinat


Letzten Freitag habe ich meine Geburtsstadt mal wieder besucht, nach vielen, vielen Jahren. Unglaublich, wie sehr alles eingelaufen ist! Mein Schulweg, den ich damals unendlich lang fand, der ist überhaupt nicht lang, die Häuser sind heute kleiner, die Straßen viel schmaler und der Wassersporthafen, wo wir so oft waren, entpuppte sich als etwas größere Badewanne. Nur eines ist gleich geblieben: Der Fluss. Er fließt immer noch breit und majestätisch dort in seinem Odertal - und im Winter und Frühjahr darf er sich sogar richtig breit machen. Das dürfen die anderen deutschen Flüsse schon lange nicht mehr. Deshalb mag ich diesen Fluss und das breite Tal ganz besonders.







 * * *



Diese Urkunde von Zeichenwettbewerb habe ich noch. 
Die schöne Medaille dazu habe ich allerdings verbummelt.



Letzten Freitag sind wir u. a. auch an der Dreiklang-Schule 
vorbeigekommen, wo ich immer zur Mathe-Olympiade war...



Ni vet säkert hur det är när man besöker sina gamla hemtrakter efter många, många år. Allt som var så stort när man var liten är nu mycket, mycket mindre. Detta hände mig nu för en vecka sedan då jag vistades i staden där jag föddes - för nästan 50 år sedan. Herregud, vad tiden går...



Sehr seltsam: Selbst auf diesem alten Foto sieht der 
Wassersporthafen größer aus als heute in Wirklichkeit.



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