Island 2012 - Hornstrandir
Wenn ich meine Kamera schon aus Versehen in eine Erdspalte reinschubse, dann nicht in irgendeine beliebige Erdspalte. Gestern habe ich meine Kamera für einen kurzen Augenblick in dem Riss verschwinden sehen, der die europäische von der amerikanischen Kontinentalplatte trennt. Dieser Riss geht wie bekannt geradewegs durch Island - und genau dort ist es natürlich am spannendsten, denn dort passiert Geologie direkt vor deinen Augen. Dass meine Kamera trotzdem heil geblieben ist, grenzt wirklich an ein Wunder. Aber Wunder gehören genauso zu Island wie Vulkanausbrüche, Lawinen, Erdbeben, Steinschläge, Schneestürme, Aschewolken und Erdrutsche.
Genau hier driften die Kontinente auseinander!
Da waren wir nun also zwei Wochen im Wunderland. Mir kommt es vor, als wären wir mindestens vier Wochen dort gewesen und irgendwie weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Aber weil sich in meinem Gepäck so ein kleiner Reiseführer befunden hat, der "Island - Top 10" heißt, habe ich gedacht, dass ich hier in meinem Blog auch so etwas in dieser Art aufliste. "Island 2012 - Keris Top 10". Heute also die absolute Nummer 1:
Hornstrandir - oder: Die Entdeckung der Langsamkeit
Keine Ahnung, warum ich unbedingt auf diese Halbinsel wollte. Wahrscheinlich hatte mich das Wort "unbewohnt" sofort angefixt, als ich das erste Mal von Hornstrandir gelesen hatte. Dort gibt es ansonsten keine spektakulären geologischen Vorgänge, keine Vulkane, keine besonders hohen Berge und der Drangajökull, Islands fünfgrößter Gletscher, ist ein mehr oder weniger unnahbarer Bursche und der lässt sich am liebsten aus gebührendem Abstand bestaunen. Straßen oder Wege führen nicht auf dieses unbewohnte Halbeiland. Als Hornstrandir noch bewohnt war, da musste man mit dem Boot über den Fjord kommen. Und das muss man heute immer noch.
Fünf Tage lang wollten wir also in der Einöde wandern, aber es sollte keine von diesen gewöhnlichen Bergtouren werden, wo man mit schwerem Gepäck jeden Tag eine neue Etappe zurücklegt, wo sich alles um Kilometer und Höhenmeter dreht und wo man jeden Morgen sein Lager wieder abreißt, um es abends an einer anderen Stelle wieder aufzubauen. Wir hatten gedacht, uns auf der Seeseite der Halbinsel einen schönen Platz zu suchen, von dem aus wir Tagestouren mit kleinem Gepäck unternehmen konnten. Viel Zeit zum Innehalten sollte es sein, zum Gucken, Genießen und Fotografieren. Und abends würde man in sein kleines Lager zurückkehren, nach Hause kommen sozusagen, und dann bräuchte man nur noch ein bisschen Essen kochen und dann könnte man die Beine ausstrecken, denn die Betten wären ja schon gemacht.
So war unser Plan - aber die Wirklichkeit hat mal wieder alles übertroffen, denn Island ist eben ein Wunderland. Wir haben nicht nur irgendeinen Platz auf der Seeseite gefunden, sondern UNSER Tal, ein eigenes Paradies, so groß wie ungefähr zwanzig Fußballfelder, einen kleinen Kontinent mit allem, was sich ein Naturliebhaber nur wünschen kann: einem eigenen pompösen Wasserfall, der weiter unten im Tal zu einem freundlichen breiten Fluss wurde, flach und sandig, so dass man ihn leicht barfuß durchwaten konnte. Mit einem eigenen, riesenlangen Sandstrand am Meer, mit einem Schwanensee ungefähr in der Mitte des Tals, mit massenweise Orchideen und anderen interessanten Gewächsen, mit Schnee auf der Dachterrasse und einem zauberhaft murmelnden Bächlein vor der Haustür. Unsere Nachbarn waren zwei Polarfüchse, ein heller und ein dunkler, gar nicht besonders scheu, morgens gerne am Strand unterwegs und abends auf den Bergwiesen. Menschen hingegen haben wir in UNSEREM Tal während all der Tage dort nicht getroffen, denn die populären Wanderrouten führen dort nicht vorbei.
Nein, wir sind auf diese Weise natürlich nicht bis zur Hornbjarg gekommen, dieser spektakulären Klippe, wo alle, die nach Hornstrandir reisen, früher oder später hinwandern. Trotzdem haben mir diese fünf Tage unheimlich viel gegeben: neue Erfahrungen, überraschende Erlebnisse, intensive Begegnungen mit der Fauna und Flora, Ruhe und Besinnung. Und wenn ich mir jetzt die Bilder ansehe, dann kann ich diese besondere Atmosphäre ganz deutlich wieder spüren. Ja, ich glaube, wir haben es ganz und gar richtig gemacht! :-)
Att vandra i fjällen utan att fjällvandra
I Utemagasinet hade jag läst om en kille som fjällvandrat och inte fjällvandrat samtidigt. Han gick helt enkelt upp på något fjäll, slog upp sitt tält vid en vacker sjö och stannade där en vecka ungefär om jag minns rätt. Inga dagsetapper, inga tillryggalagda kilometer med tung packning, han bara promenerade runt sin lilla sjö, han spanade djur, han fotade lite och njöt annars av tillvaron. Den idén tilltalade mig direkt när jag läste inlägget, inte bara med tanke på fjolårets grymma skavsår. Att vara någonstans utan att utsätta sig för trycket att komma någonstans. Att ha ett basläger där man så småningom känner sig hemma... Och så undrade jag om Skogsängeln kanske skulle gilla den tanken han också. Ja, det gjorde han faktiskt. Kul! Så var dessa våra planer: att hitta ett ställe där vi skulle trivas och därifrån vi kunde göra enkla dagsturer med lätt packning under fem dagar på den obebodda halvön Hornstrandir.
Men verkligenheten överträffade ju mina föreställningar i många avseenden. Vi hittade inte bara en fin plats vid en vacker sjö på något fjäll, vi hittade ett bortglömt och övergivet paradis, tjugo gånger så stort som en fotbollsplan, en havsvik och en fjälldal samtidigt, med eget vattenfall och en flod som hade världens lättaste vad, grunt och med sandbotten så att man kunde komma över barfota. En svansjö fanns och en massa orkidéer, två fjällrävar bodde granne med oss, en mörk och en ljus, som gillade att spatsera på den breda sandstranden under förmiddagen och i dalen på kvällen. Inte en enda människa träffade vi däremot under våra dagar i det lilla paradiset.




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