Ich spüre die Konturen des Landes
In einem meiner früheren Leben war ich mit einem glühenden Cineasten zusammen. Von ihm habe ich gelernt, dass man bestimmte Dinge - in seinem Fall Filme - völlig unvoreingenommen auf sich wirken lassen sollte. Er las also niemals etwas über einen Film, bevor er ihn nicht gesehen hatte. Er ging ins Kino wie ein völlig unbeschriebenes Blatt und erst danach begann er, über den Film nachzulesen und auch andere Beurteilungen mit seinem eigenen Eindruck zu überprüfen. Das fand ich gut und ich versuche, so gut das eben geht mit der heutigen Medienüberflutung, es ebenso zu machen.
Nächste Woche fahren wir nach Island. Und eigentlich wollte ich auch nicht soviel vorher lesen, sondern das Land erst einmal genau so auf mich wirken lassen, wie es mir eben begegnet. Aber ein unbeschriebenes Blatt bin ich natürlich trotzdem nicht mehr, weil ich ja schon so viel Belletristik von dort verschlungen habe. Und dass Island letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse das Themenland war, das machte es in dieser Hinsicht freilich nicht einfacher.
Mein Buchhändler-Sohn, der dieses Land schon einmal besucht hat und der dessen Schreiberlinge ebenso mag wie ich, hat mir nun vor ein paar Tagen wieder mal ein Buch zugesteckt. Und eigentlich wollte ich es ja mitnehmen, um es dann erst auf der Reise zu lesen. Aber das hat nicht funktioniert. Ich habe die erste Seite aufgeschlagen - und eine ganz besondere Schreibe hat mich sofort reingesaugt. Widerstand zwecklos. Hm, vielleicht bin ich nun wieder ein klitzekleines bisschen weniger unvoreingenommen. Aber ich glaube, es ist trotzdem noch weißes Papier in Hülle und Fülle in mir vorhanden. Und das lasse ich wirklich erst beschreiben, wenn wir dort den Fuß an Land setzen.
Ich setzte mich in die Tankstelle von Hólmavík und dachte über die Weiterfahrt nach. Und jetzt ist die Gelegenheit, all das Rumgehänge in den Tankstellenkiosken zu erläutern, denn es wird nicht weniger werden. Das Herz jeder einzelnen Siedlung draußen auf dem Lande ist der Tankstellenkiosk, der meistens an einem der beiden Enden des Ortes steht. Ihm kommt eine wesentlich größere Rolle zu, als einfach nur Tankstelle und Kiosk zu sein. Oft ist er zugleich Videothek, Ersatzteilhandel, Supermarkt und Spielhalle. Und natürlich Kaffeehaus und Nachrichtenzentrale des Ortes. Jeden Tag kommt eine große Zahl der Ortsansässigen hier vorbei, um eine Tasse Kaffee zu trinken und Nachrichten mit den Verkäuferinnen auszutauschen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie charmant und professionell sind, diese Verkäuferinnen. Ihre Tätigkeit ist eine der bedeutendsten im Ort und nichts für sechzehnjähriges Gemüse, das sich nicht merken kann, was dieser oder jener gesagt hat, oder die Fakten verdreht. Der Tankstellenkiosk ist daher der beste Posten für Zugereiste, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Der Tankstellenkiosk ist auch eine isländische Variante des amerikanischen Diner, und dort fahren die Einwohner sogar hin, wenn sie zum Essen ausgehen...
Jag känner landes konturer
Egentligen ville jag inte läsa så mycket i förväg - för att möta Island helt opåverkad och med öppna sinnen. Läser man andras beskrivningar och berättelser då kanske man omedvetet börjar leta efter vissa intryck eller man helt enkelt överser vissa saker. Fast helt opåverkad är jag ju inte heller längre, eftersom jag redan läst så mycket skönlitteratur därifrån. Och värre blev det ifjol, då Island var temaland på den stora bokmässan i Frankfurt. Massor med nya översättningar kom det ut då, delvis av de äldre texterna, men även helt avantgardistiska unga islänningar kunde man plötsligt läsa på tyska. Och det gjorde jag ju, både och.
Nu fick jag häromdagen ytterligare en bok av min son, som själv tycker mycket om Island och dess litteratur. Boken handlar om en yngre islänning som blir så trött på livet i huvudstaden att han köper sig en gammal Volvo Lapplander och åker runt på landet under två månader - mitt på den isländska vintern. Jag tänkte läsa boken under själva resan, fast det gick inte. När jag smakade lite på de första raderna då blev jag uppslukad direkt och jag kom inte loss igen. Så kan det gå ibland. Man får akta sig.
Den ersten Fjord zu fahren ist ein besonderes Erlebnis. Ich spüre die Konturen des Landes. Der Weg hängt außen an der kantigen Bergkette, und zur Rechten liegt der dunkelblaue Meereseinschnitt, das Ísafjarðardjúp. Hier und da ein Hof, aber niemand zu sehen, und alles ist so weit entfernt. Auch wenn die Berge erdrückend sind und rechts das Gefälle hinunter ins Meer manchmal extrem, die Aussichten sind wunderbar. Bis ich sehe, wie der nächste Fjord sein Maul aufreißt. Er ist noch tiefer und breiter. Und deren vier liegen noch vor mir...




Kommentare:
Island ist jetzt so gross , alles andere nicht so!Machs´s gut droben, Keri!
Ja, freilich ist es groß! Ein kleines bisschen mehr als "Pack die Badehose ein - und dann nix wie raus zum Wannsee..." ;-) Und gut machen will ich's natürlich auch.
Lycka till med Vätternrundan! :-)
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