Freitag, 25. Mai 2012

Emma-Jubiläum


Gestern war sie auf den Tag genau fünf Jahre her: Meine erste Radtour an der schwedischen Westküste. Am 23. Mai 2007 bin ich auf dem Flugplatz in Säve gelandet - neugierig und auch abenteuerlustig, und mit einem halben Jahr Schwedisch im Gepäck, Mailwechsel-Schwedisch, keine Ahnung, ob das auch mündlich klappen würde... Damals hatte Air Berlin die Strecke nach Göteborg gerade ganz frisch eröffnet, und das erste, was ich aus dem Flugzeugfenster sah... waren Pferde. Rote Häuser und braune Pferde...

In Göteborg angekommen, habe ich mir zuerst ein königliches Fahrrad gemietet und bin wenig später in einen königlichen Schlafsaal eingezogen, mit zehn Betten, ungefähr zehn Kilometer außerhalb der City. Alles war nett und easy, und die Schweden immer sehr hilfsbereit. Ich musste ihnen bloß erklären, dass ich auf gar keine Fall Englisch mit ihnen sprechen wollte. Das erste Wort, das ich damals gelernt habe, war krånglig. Der Radweg hinaus in meine Herberge nach Torrekulla, der war also ein bisschen krånglig. Aber dann hat mich einfach ein Mann ins Schlepptau genommen, der jeden Tag mit den Fahrrad von Lindome nach Mölndal zur Arbeit radelt. Alles wird gut.

Am nächsten Tag wollte ich natürlich erstmal ans Meer! Jaaa, das Kattegatt ankieken, von dem ich schon als Kind beim Seewetterbericht immer im Radio gehört hatte. Meine erste richtige Lektion war dann, dass es nicht unbedingt so einfach ist, mit dem Fahrrad ans Meer zu kommen. Andauernd waren ein großer Wald und lauter Berge dazwischen. Dort gab es Wanderpfade, aber keine Radwege. Ich musste also erstmal einen ziemlich großen Umweg fahren, bis hinein ins nächste "Bundesland", und dann war ich aber endlich da! Am Meer! Und dort gab es auch einen prima Radweg. Den habe ich dann eifrig genutzt.

Mittags habe ich Rast gemacht auf einer Insel. Amundö (!) stand auf einem Schild. In meinem Gepäck hatte ich Brot, Juice - und eine Dose Fischklopse, erstanden am Morgen des gleichen Tages in einem schwarzen NETTO in der Nähe meiner Herberge. Nach der feierliche Öffnung der Fischklopsdose bekam ich unmittelbar Besuch dort auf meiner Klippe am Meeresufer. Es war eine Möwe, sie war hungrig - genau wie ich, und ich habe sie Emma genannt. Schwesterlich teilend haben wir uns dann über die Fischklopse hergemacht, und ich glaube, es war nicht so unglaublich viel Fisch darin. Ich habe in diesen fünf Jahren jedenfalls nie wieder welche gekauft. Aber satt sind wir geworden. Dann habe ich meine Radtour fortgesetzt. Bis in die Innenstadt von Göteborg bin ich schließlich noch geradelt, denn ich hatte mir in zwei Antiquariaten einige Bücher zurücklegen lassen. So war mein erster Urlaubstag an der schwedischen Westküste ein voller Erfolg - und abends bin ich nach einer ordentlichen Portion Spaghetti mit Pesto glücklich und zufrieden in eines der zehn königlichen Betten gefallen...

...

Gestern hatte ich eigentlich von 15 bis 18 Uhr Isländisch. Aber dann war das Wetter so schön und ich musste immer wieder an diese erste Radtour vor fünf Jahren zur Stora Amundön denken. Ja, und schließlich konnte ich nicht anders: Ich musste die Vorlesung in krångliger Grammatik schwänzen - und auf die Insel radeln! Es ging einfach nicht anders. Den ganzen Nachmittag und den halben Abend bin ich dann dort herumspaziert. Ich habe viel fotografiert und ich habe viel nachgedacht. Fünf Jahre. Das kann wenig sein oder ganz viel. Einerseits fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen - und gleichzeitig, als wären seitdem mindestens zwanzig Jahre vergangen, so viel habe ich erlebt und gelernt in dieser Zeit. Auf der Insel bin ich jedenfalls gestern mit ganz anderen Augen herumgewandert. Damals habe ich ja noch überhaupt nix gesehen! Weiß man nix, so sieht man auch nix. Inzwischen habe ich für die Steine, die Vögel und die Pflanzen auf der Insel einen Namen. Das ist etwas ganz anderes! Nun bin ich ein Teil davon. Das war ich damals noch nicht.







Igår firades Stora Amundöns fem-års-jubileum. Det var alltså den 24 maj 2007 som jag besökte ön för första gången - och som jag träffade en mås som jag genast kallade Emma. Vi delade på en burk fiskbullar. Så blev vi vänner för livet. För att hedra denna synnerliga dag skolkade jag igår Isländska - och jag cyklade ut till ön, precis som för fem års sedan, fast med mycket större bagage. Inga fiskbullar igår, nej, men en massa erfarenheter och nya kunskaper. Det hade jag inte alls kunnat föreställa mig då, för fem år sedan. Ibland är det viktigt att medvetet reflektera över sådana saker. Tycker jag. Hur slingrande väger livet kan gå. Som en meander. Och nu är jag nyfiken hur vi slingrar oss vidare, livet och jag.






Kommentare:

Per Blomkvist hat gesagt…

Slingra, meandra, livet....ja!

Keri hat gesagt…

:-)