Sonntag, 9. Mai 2010

Meine Wurzeln sind aus Weide


Heute vor einer Woche hatte mein Opa Geburtstag. Da wäre er 98 Jahre alt geworden. Er, sein Vater, sein Großvater und Urgroßvater, sie alle waren Korbmacher. Vielleicht sogar noch länger zurück, aber das ist nicht belegt. Als Kind war ich oft und gern in seiner Werkstatt. Er hatte ein halbes Dutzend Angestellte, lustige Leute. Im Sommer flogen die Schwalben rein und raus - ja, es gab immer mindestens ein Schwalbennest in der Werkstatt - und im Winter knisterte es im Kachelofen. Ich saß auf den Dielenbrettern nahe beim Ofen und hatte nie Langeweile. Manchmal hatte ich mir Spielsachen oder Bücher mitgenommen, aber oft hörte ich auch einfach nur zu, was die Leute redeten und sortierte dabei abgeschnittende Weidenreste. Nach Farbe, Länge und Dicke. Dazu steckte ich mir ein paar Stöckchen in die Dielenritzen, um die einzelnen Sorten voneinander zu trennen - genau wie es mein Opa immer machte.

Alles, was mit der Korbmacherei zusammenhing, war irgendwie spannend für uns Kinder. Auf dem großen Hof standen die Weidenbündel in Mieten zusammen und es sah aus wie in einem Indianerdorf mit lauter Wigwams. Bevor man die Weiden zu Körben flechten konnte, mussten sie eingeweicht werden. Die Weiche, das waren zwei ziemlich große Betonbecken mit Wasser gefüllt, das nach einer Weile, wenn die Weidenbündel darin lagen, einen sehr speziellen Geruch annahm. Einmal haben meine Schwester und ich dort Entengrütze ausgesetzt. Die vermehrte sich so schnell, dass die ganze Weiche davon voll war, als meine Großeltern aus dem Urlaub zurückkamen. Das fand mein Opa freilich überhaupt nicht lustig. Ein anderes Mal setzten wir einen knallgrünen Laubfrosch rein, der dann jeden Abend herrlich quakte.

Alle zwei Wochen kam der Spediteur, um die fertigen Körbe zur Eisenbahn zu fahren. Vorher wurden jeweils fünf Körbe zusammengebunden und mit Versandanhängern versehen. Ich durfte manchmal bei Stempeln dieser Anhänger helfen und fühlte mich dann unheimlich wichtig. Die große Rolle mit der gewachsten Paketschnur wurde von meiner Oma wie ein Heiligtum gehütet. Solche Schnur ist mir in meinem späteren Leben nie wieder begegnet. Wenn der Lkw dann auf den Hof fuhr, durften wir dort nicht spielen, denn nun wurden die großen Korbstapel von den Männern verladen und auf uns konnte keine Rücksicht genommen werden.

Gestern war ich eine Fahrradstunde südlich von Göteborg auf einem alten Bauernhof. Dort wurde von einer Frau ein Tageskurs im Korbflechten abgehalten. Es war das allererste Mal, dass ich mit richtiger Weide geflochten habe - ja, genau solche, die mein Opa immer verwendet hat. Vor einer Weile hatte ich schon mal ein wenig mit Peddigrohr herumprobiert, aber Weide ist natürlich ganz was anderes. Viel gröber und auch nicht überall gleich dick, so wie diese exotischen Kletterpflanzen. Gestern abend taten mir dann an vielen verschiedenen Stellen die Hände weh. Geschnitten hatte ich mich auch zweimal, mit dem scharfen Messer, gleich ganz am Anfang. Dass ich zum Schluss von allen Frauen den schönsten Korb hingekriegt habe, war natürlich Ehrensache. Bei solchen Wurzeln!
;-)


Der Boden ist eigentlich am schwersten...


Mina rötter är av pil


När jag hos STF hittade en pilflätningskurs i deras vårprogram nappade jag på genast, eftersom jag härstammar ju från en gammal korgmakaresläkt 10 mil söder om Berlin som tyvärr upphörde efter min morfar. När jag var barn spenderade jag gärna tiden hos honom i verkstaden där han och hans anställda gjorde ganska tunga korgar. Jag tyckte om att vara bland de vuxna som pratade så roliga saker och gjorde samtidigt något vackert med sina händer. Bredvid den stora kakelugnen hade jag min plats där jag sorterade rester av pil efter färg, längd och tjocklek - precis som min morfar gjorde med de långa pinnarna för att förbereda de andras arbete. På sommaren flög ladusvalorna in och ut för att mata sina ungar, och på vintern knastrade det så skönt i ugnen...

Nu har jag alltså bestämt mig för att göra något åt detta att det här fina hantverket försvinner helt och hållet ur min släkt. Igår flätade jag min första korg av pil. Flera ska det bli - och någon gång om ett par år skulle jag vilja undervisa mitt barnbarn hur man gör.



...und dann der Übergang zu den Wänden.
Schief soll es natürlich auch nicht werden!


Das hier ist unsere Lehrerin.


Und hier eine eifrige Mitschülerin.


Mein Endprodukt - nach 5 Stunden harter Arbeit!



* * *

Und so wird es nun immer mal wieder in unserer Küche aussehen.


Das Material für meinen nächsten Korb habe ich nämlich schon
gesammelt. Es lag einfach so herum. Weil sie doch hier in

Göteborg überall so gnadenlos an den Bäumen rumschnippeln.
..


Kommentare:

krakri hat gesagt…

Oh, wie schön! Ich glaube schon, dass sich das Talent vererbt hat. Der Korb sieht auf jeden Fall ganz professionell aus. Was wird dein nächstes Projekt?

Mal schauen, ob ich es im Herbstsemester auch in einen Handwerkskurs schaffe. Im Moment ist leider gar keine Zeit dafür.

waldviertelleben hat gesagt…

schön und interessant hast du das erzählt. im waldviertel hat man auch körbe hergestellt. aber jetzt mit den billigen chinaimporten hört sich alles auf.
lg

Keri hat gesagt…

krakri: Ich persönlich finde, dass jedes Kind ein Musikinstrument und jeder Jugendliche ein Handwerk lernen sollte. Irgendwie...

Mein nächstes Projekt? Jaaa..., wir werden im Sommer eine Woche bei Freunden in einem Waldhäuschen in Mittelschweden verbringen. Und als Dankeschön will ich für sie so ein Ding flechten, in dem man Feuerholz ins Haus tragen kann. Mal sehen, ob ich das hinkriege.

ingrid: In dem Ort, wo mein Opa wohnte, gab es früher drei Korbmacher - und alle hatten gut zu tun. Heute gibt es noch einen halben. Der macht alles (Körbe, Korbmöbel, Reparaturen) und hat nebenbei noch eine Geschenke-Boutique. Nein, leider, allein vom Korbflechten kann heute in Deutschland keiner mehr leben. Schade.

Liebe Grüße in den grünen Wald! :-)
Keri