oder: Wenn aus Papiertaschentüchern Sondermüll wird
Wahrscheinlich habe ich es mir bei meiner Flucht letzten Montag eingefangen. Da bin ich aus dem überfüllten Berlin abgereist, wo gerade die Mauer zum zweiten Male gefallen ist. Es war ein Wunder, dass ich meinen Flieger überhaupt gekriegt habe. "Die Abfertigungsschalter schließen eine halbe Stunde vor Abflug", steht immer in meiner Bestätigungsmail von AirBerlin. Das Flugzeug sollte 10:35 abheben. Punkt 10:05 reichte ich meine rote Meilensammelkarte über den Tresen. (Bald, ganz bald habe ich Silber - und dann brauche mich nicht mehr anzustellen!)
Na jedenfalls, ich hab's mir wohl am Montag früh in der S-Bahn geholt, wo immer noch das Sardinenbüchsenfeeling angesagt ist. Jetzt huste und schnupfe ich seit einigen Tagen und zwischenzeitlich hatte auch der Magen rebelliert. Zeit, um neue Erfahrungen zu sammeln. Wie es ist, in Schweden die Zutaten für meine Lieblingsrezepte einzuholen, das habe ich nun schon ausgiebig getestet. Es ist, als würde man im Ausland einkaufen gehen. Was zum Teufel heißt Geriebene Semmel? Natives Olivenöl findet man dagegen leicht. Butter gibt es mit drei verschiedenen Salzgraden und Schlagsahne hat hier 40 % Fett. Am lustigsten ist es mit den Gewürzen. Da kommt man sich vor wie in einem Sprachquiz: kardemumma, persilia, dragon, spiskumin, lagerblad, kanel, mejram, ingefära. Basilikum, Dill und Paprika erkennt man dagegen auf Anhieb.
Nun bin ich also in die Apotheke, um meine Lieblingslutschtabletten zu beschaffen. Das sind Isla Moos und Emser Salz. Isländisches Moos wächst ja in ganz Nordeuropa, hab ich mir gedacht - und mich nicht schon in Berlin damit eingedeckt. Aber die Dame in der Apotheke guckte mich mit großen Augen an. Islandslav? Nie gehört! Und Emser Salz? Aaach, das ist laaange her, dass wir das mal im Sortiment hatten... Im Naturkostladen geriet ich dann an ein dermaßen engagiertes Naturkostfräulein, dass ich zum Schluss den Laden mit einem gelben Klebezettel in der Hand verließ - auf welchem steht: zwei Teile Natriumbikarbonat, ein Teil Kochsalz. Sie hatte also rumtelefoniert und erfahren, dass man Emser Salz ganz prima selber mischen kann. Na, wenn das so einfach wäre, dann können die in Bad Ems ja ihre Saline dichtmachen. Ich werde jedenfalls einen Teufel tun und in meiner Küche nicht anfangen, irgendwelche Salze zusammen zu mischen.
Meine Magen-Darm-Geschichte, die habe ich nämlich gerade erfolgreich kuriert. Und im Gegensatz zu meinen Lutschtabletten-Enttäuschungen durfte ich hierbei ein interessantes Geheimnis der nordischen Volksmedizin kennenleren. "Rate mal, was ich immer im Koffer hatte, wenn ich in die Tropen gefahren bin?", fragte mich die Möwe grinsend. "Und es hat wirklich jedesmal funktioniert, wenn ich mir den Magen verdorben hatte oder wenn alle anderen unter Montezumas Rache litten..." Blåbärssylt! Blaubeerkonfitüre also. Man nehme: einen schwedischen Zwieback und einen Teelöffel gute Blaubeerkonfitüre. Na, das ist doch mal 'ne appetitliche Schonkost! Und geholfen hat's auch. Ich kann es wirklich nur empfehlen!
Das ist eine Raffel. Damit kann man Blaubeeren sammeln. Kiloweise.
Ich kenne nur einen, der es richtig konnte. Und das war mein Opa. Gristrynen och blåbärssyltFör bara några veckor sedan hängde det märkvärdiga affischer i apotekens fönster. En familj kunde man se, fast alla hade ju tjocka gristrynen i ansikten. Det skulle föreställa höstens snuva, som man borde skydda sig mot, men jag tyckte det såg väldigt äckligt ut. Jag vet inte om jag just nu liknar någon av dem på fotot. Inifrån känns det nästan så. Det var nog på murenfalls jubileumsdagen som jag blev smittad någonstans i Berlins kollektivtrafik. Massor med folk åkte omkring, och jag hade svårt att komma till flygplatsen rätt i tid, checkade in i sista minuten...
När jag gick till apoteket häromdagen för att köpa mina älsklingshalspastiller, då fanns gristrynena inte kvar, men mina älsklingshalspastiller inte heller. Aldrig hade de hört talas om att man kan använda islandslavar mot hostan, och Emser salt..., jaaa, det var längesen. Är jag redan en dåtidens människa? Lavarna dök givetvis upp först efter murens fall, men Emser salt har ju funnits i hela mitt liv på något sätt. Kanske var det min mormor som skaffade det åt oss.
Dock vill jag inte gnälla att mina älsklingshalspastiller inte finns här i Sverige. Fick jag lära mig nämligen något annat intressant. Innan min näsa började bli grisaktig hade jag krångel i magen. Dagen efter Växjö-resan var kvälningarna och andra osköna företeelser på toppen. Att jag kom över det tämligen snabbt har med något väldigt svenskt att göra. Måsen rekommenderade det till mig. Han hade prövat det under många utlandsresor, framför allt i tropiska länder. Inte ens Montezumas hämnd drabbades han av, medan alla andra resenärer fick det. "Jag hade alltid en glas blåbärssylt med mig. Och det hjälpte." Visst, jag kan bestyrka det!