Montag, 19. Mai 2008

Schüttelstroh und Marienvesper

Ich hatte mir übers Wochenende die Umweltkarte von der Firma ausgeborgt - eine gute Gelegenheit also, mit der Möwe ein bisschen kreuz und quer durch Berlin zu zuckeln, denn man kann am Wochenende ja zu zweit damit fahren. "Und am besten auch ein bisschen mit dem Zug", hatte ich mir gedacht. "Da freut sich mein Eisenbahnfreak".

Um so weit wie möglich innerhalb der Stadtgrenzen zu reisen, da muss man nach Spandau fahren. Setzten wir uns also in den Regionalzug und fuhren dorthin. In der Altstadt war Wochenmarkt und ziemlich viel Volk auf den Beinen. Hurtig spazierten wir daher zur Zitadelle, wo gar nix los war. (Auf der Zugbrücke wäre ich allerdings beinahe unseren beiden Geschäftsführern in die Arme gelaufen. Glücklicherweise haben sie mich nicht entdeckt...) Ja, ich bin immer wieder gern dort in und auf den Mauern der alten Festung. Und wie jedes Mal musste ich an Konrad Wolfs Film "Ich war neunzehn" denken. Hungrig geworden kehrten wir später im Burggarten ein und aßen Schüttelstroh mit Speckstippe. Schüttelstroh ist mit Sauerkraut gemischter Kartoffelbrei - etwas, das es schon immer, also so lange ich mich erinnern kann, dort auf der Zitadelle zu essen gab. Sehr einfach und sehr lecker!

Der Nachtisch später war mehr als üppig: Montiverdis Marienvesper in der St. Afra-Kirche im Wedding. Das ist eine von diesen mitten in eine Häuserzeile eingebauten Kirchen, von denen es hier in Berlin etliche gibt, und wo man von der Straße aus keine Vorstellung davon hat, was für gewaltig große Kirchenräume einen hinter der - meist backsteinernen - Fassade erwarten. Es war faktisch der erste vollständige katholische Gottesdienst, den ich miterleben durfte - und wären es nicht Monteverdis Musik und die alten Instrumente gewesen, die uns hingelockt hätten, wären wir wohl schon bald wieder ausgerückt.

Zwei Stunden dauerte der "Hokuspokus", wie die Möwe hinterher blasphemisch äußerte, die irgendwas verwechselt haben musste und in der Kirche die Schuhe ausgezogen hatte. Da konnte es ja nix werden, als alle sangen "solve vincla reis, profer lumen caecis", obwohl ich schon ein bisschen die Daumen gedrückt hatte. Die Musik war allerdings wunderwunderschön und hinterher flossen zwar nicht Milch und Honig, dafür aber jede Menge Wein, Cidre und Apfelmost. Tja, dass wir uns nicht in einer evangelischen Kirche befanden, hatte ich schon bemerkt, als mir am Eingang das prächtige, farbkopierte Programm in die Hand gedrückt wurde.

"Was heißt eigentlich Weihrauch auf Schwedisch?", hatte ich die Möwe gefragt. "Rökelse", bekam ich grinsend zur Antwort und wir mussten beide an die erste Szene aus "Das Leben des Brian" denken und lachen.


Die Zitadelle - mächtige Mauern und ein breiter Burggraben.


Verwinkelte Gänge


Türme und Türmchen


Diese Mauern sind wirklich unheimlich dick.


Hier gucken wir über eine davon zum Spandauer See.


Ach ja, Backsteine...


Tänk, man behöver bara låna månadskortet av kontoret - och på det viset kan man resa 400 år tillbaka i tiden, till och med på två! Så gjorde vi i lördags när vi besökte fästningen Zitadelle Spandau - där vi klättrade omkring på gamla tjocka murar och där vi senare åt mat från medeltiden. "Schüttelstroh" hette det och var en blandning av potatismos, surkål och bacon. Enkel och god.

Som efterrätt lyssnade vi till Monteverdis Marienvesper i en märklig kyrka i Berlin-Wedding. (Man kan inte ana hur stor den är när man står på gatan och tittar bara på fassaden...) Det var för första gången att jag upplevde en katolisk gudtjänst i dess helhet. "Hokuspokus" sa måsen efterråt, men det var ju den tidiga musiken vi njutit av så väldigt mycket. Och så skrattade jag när jag fick veta att det heter "rökelse" om det gäller "Weihrauch" på tyska. Ordet "Weihrauch" låter ju ganska högtidligt, men ordet "rökelse" låter nästan lite blasfemiskt. Tycker jag.


Die St. Afra-Kirche in der Graunstraße.


Hier gibt es Bilder von der Marienvesper.

Die Marienvesper von Claudio Monteverdi

Kommentare:

Einar J hat gesagt…

Bland det vackraste jag vet - Monteverdis Mariavesper!
Han ligger begravd i Santa Maria Formosa dei Frari i Venedig. Den enda tonsättargrav jag besökt och lagt ner en ros på.

Keri hat gesagt…

Ah, du har varit vid hans grav i Venedig!

Jag tycker ju så mycket om hans operor. "L'Orfeo" har jag sett på Lindenoper och "L'incoronazione di Poppea", båda två med Akademie für Alte Musik och René Jacobs - fantastiskt!

Anne Marie hat gesagt…

Vi (Göteborgs Kammarkör) kommer tillbaka till Berliner Ensemble i senare hälften av september med Wolf Biermann, om inget händer.