Montag, 12. Mai 2008

Es klappert die Mühle...

Heute ist Mühlentag 2008. Immer am Pfingstmontag findet der statt. Erst dachte ich, es wäre so eine regionale Tradition hier in Berlin und Brandenburg, aber nun lese ich, dass es ja eigentlich Deutscher Mühlentag heißt. Da gibt es dann immer viel zu sehen - und viel zu essen und zu trinken, dort wo Wind und Wasser allerlei Räder antreiben.

Mein Mühlentag war schon am Samstag. Das hat einerseits damit zu tun, dass ich "Solch ein Gewimmel möcht' ich sehen!" nicht besonders leiden mag. Aber es ist doch immer ziemlich viel Gewimmel bei solchen Aktionen. Und schließlich hat es mit Rotkäppchen und dem bösen Wolf zu tun. Wenn Rotkäppchen auf dem Weg zur Großmutter ist, dann versucht der böse Wolf immer, es vom Wege abzubringen. Wenn ich auf dem Weg zu meiner Großmutter bin, dann ist es nicht der böse Wolf, der mich hin und wieder vom Wege abbringt. Es sind Wegweiser. Alte oder neue.
Diesmal war es ein alter. Ich bin schon viele Male an ihm vorbeigeradelt. Doch nun am Samstag hatte ich ein bisschen Zeit herausgefahren, denn auf dem windigen Plateau zwischen der Bahnstation und den Dörfern im Dahmetal wehte es diesmal ausnahmsweise von hinten.

In Schweden heißt es übrigens nicht Rückenwind, sondern Mitwind. Als ich nach meinem schicksalsschweren Konzertbesuch am 28. Mai 2007 nach Torekulla zurückradelte, hatte ich auch Rückenwind. Und Flügel. (Schließlich war es ein Klavierkonzert.) Nur ganz kurz wollte ich deshalb bei meinem Konzert-Banknachbarn, der damals noch nicht meine Möwe war, anrufen, um ihm zu sagen, dass ich schon in der Herberge angekommen sei, weil ich doch Rückenwind gehabt hätte. (Das mit den Flügeln behielt ich vorerst noch für mich.) Das Telefonat wurde ein wenig länger als geplant, weil es nicht Rückenwind, sondern Mitwind heißt. Ich braucht eine Weile, um es zu erklären. Und war wohl noch ein wenig atemlos. Nicht nur wegen der Radelei...


Auf dem Wegweiser am Samstag stand "Bachmühle". Außerdem "Getränke und selbstgebackener Kuchen". Weil ich unweit der dort noch jungfräulichen Dahme entlangfuhr und weil es Bachmühle hieß, erwartete ich also keine Windmühle, als ich mich von diesem Wegweiser und dem selbstgebackenen Kuchen vom Wege abbringen ließ. Und richtig! Schon bald rauschte es ordentlich. Ich fand mich - gar nicht so weit von der Landstraße entfernt - in einem idyllischen Tal mit einem schmucken Mühlengebäude wieder. Lustige Ziegen meckerten mir "Hallo" auf Ziegisch zu und ein Paar Stockenten erschrak und flog auf, als ich "Wolke Sieben" an das Brückengeländer lehnte. Alles war so satt und grün. Ein kleiner Teich funkelte zwischen Büschen und Bäumen. Nur von einem Wasserrad war keine Spur. Das Wasser rauschte einfach so das Wehr herunter, ohne etwas zu verrichten.

Warum das so war, erfuhr ich sehr bald, als ich mich am Mühlenteich niedergelassen hatte und mir leckeren Rharbarberkuchen schmecken ließ. "Es ist nicht nur das Wasserrad selbst, das ordentlich Geld kosten würde. Es müssten auch wasserbauliche Maßnahmen durchgeführt werden", erklärte mir der Mühlenbesitzer, der seine Gartenarbeit unterbrochen und sich zu mir gesetzt hatte. Das klang verdammt nach deutscher Baubürokratie. Er sei in Rothenburg ob der Tauber gewesen. Da gäbe es zinslose Kredite für Leute, die Wasserräder installierten, um elektrischen Strom herzustellen. Ich dachte kurz an die Erderwärmung und die großen und klangvollen Reden der Politiker.

Als die beiden jetzigen Besitzer die Mühle im Jahre 2000 erwarben, war das Gebäude in einem desolaten Zustand und der Mühlenteich eine Müll- und Schutthalde und eigentlich kein Teich mehr. Dach und Fenster in dem recht großen Mühlengebäude wurden zuerst gemacht. Es ist ein riesiges Dach und es sind viele Fenster. 2005 konnten sie dann endlich einziehen. Als nächstes wurde der Mühlenteich wieder ein Mühlenteich. Und vor kurzem konnte dann mit ein paar Fördermitteln die Fassade in ihrer ursprünglichen, schlichten Eleganz wieder hergestellt werden. Im Moment wird der alte Mahlboden zu einem Schlafboden mit Heubetten ausgebaut und es gibt Pläne für ein kleines Museum. Das Wasserrad bleibt vorerst ein Traum. "Wir werden sehen", der Müller lächelt.


"Haben Sie Kinder?", frage ich dann noch und muss an den Gestiefelten Kater denken. "Kinder? Nein, Kinder haben wir nicht." Es ist die Mühle, in die sie alles an Kraft, Zeit und Geld stecken. Also kein Gestiefelter Kater. Aber die Mühle ist trotzdem eine Entdeckung - und ein Geheimtipp! Idyllisch (ab)gelegen, nette Bewirtung, äußerst moderate Preise. Hier kann man auftanken!





Idag är det allmän helgdag här i Tyskland - och Deutscher Mühlentag 2008. Varje år på annandag pingst kan man nämligen besöka alla slags kvarnar i hela Tyskland. Jag gjorde det redan i lördags eftersom jag inte tycker om att stå i någon kö för att kika, äta eller dricka. Vid vägen jag brukar cykla till min mormor ligger några gamla vattenkvarnar. De flesta renoverades under de senaste åren, så att man kan upptäcka något nytt nästan varje gång. Den här gången blev den en vattenkvarn som heter Bachmühle Dahmetal - en verkligen idyllisk plats och en man och en kvinna som tycks leva bara för att kvarnen finner tillbaka till sitt ursprungliga skick. Jag gillar en sådan entusiasm - och jag kan varmt rekommendera kvarnen som viloplats för alla stadströtta människor!


Hier komme ich auf dem Weg nach Dahme auch immer vorbei.
Und dort gibt es noch ein Wasserrad: Dammühle Wildau-Wentorf


Per Velo oder auf Schusters Rappen unterwegs an der Dahme
hellen Strande... Der Wassermühlenrad- und Wanderweg!


Keine Kommentare: