Mittwoch, 2. April 2008

Die Musik in unserem Leben

Gestern beim Abendbrot sah mich mein Sohn plötzlich ein bisschen merkwürdig an - und dann sagte er: "Stell dir vor, es würde keine Musik geben. Sie wäre ganz einfach nicht erfunden worden. Wie würde das sein? Gäbe es dann haufenweise Selbstmörder? Oder wie wäre es?"

Eine richtige Antwort hatte ich, ehrlich gesagt, nicht. Ein Leben ohne Musik? Ein Leben ohne Bücher? Ohne Kultur? Nur aufstehen, arbeiten oder jagen, essen und schlafen? Irgendwann in der Vorzeit hatten die Menschen begonnen, Dinge aufzumalen - und wir können uns heute diese Zeichnungen ansehen, in Höhlen oder auf Felsen. Aber wann war es, als die Menschen begannen zu singen? War es, bevor sie zu sprechen anfingen? Oder gleichzeitig?


Nach dem Abendbrot ziehen wir uns für gewöhnlich zurück und jeder beschäftigt sich mit seinen Dingen. Nach diesem merkwürdigen Gespräch ist es wieder einmal Harnoncourt, bei dem ich hängenbleibe - wie oft habe ich nicht schon Antwort bei ihm gesucht? Ich habe alle seine Bücher gelesen und ich bewundere seine Art, Musik aufzuführen, vor allem, wenn es um Alte Musik geht. Gestern war es mal wieder sein Buch "Die Musik als Klangrede". Ich tauche ein in seine Sprache, seine eindringliche Art sich zu äußern, ich lese das erste Kapitel - und finde schließlich diesen Satz:

"Wir alle brauchen die Musik, ohne sie können wir nicht leben."


"Die Musik in unserem Leben" -> pdf
Harnoncourt im Residenz-Verlag


Igår när vi åt kvällsmat tittade min son plötsligt lite konstigt på mig och sa: "Tänk, om det inte fanns musik! Inte alls. Den hade helt enkelt över huvud taget inte uppfunnits. Hur skulle det vara? Skulle det finnas mycket mer människor som tar livet av sig? Eller hur skulle det vara?"

Ärligt talad hade jag inget svar. Ett liv utan musik? Ett liv utan böcker? Utan kultur? Bara att man stigger upp, jobbar/jagar, äter och sover? Någon gång för länge sen i forntiden hade människorna börjat måla - man kan ju titta på deras målnigar eller ristningar. Men när kan det ha varit att människorna började sjunga? Innan de började prata? Eller samtidigt?

Efter kvällsmaten brukar var en av oss dra sig undan och syssla med var sina saker. Efter det där konstiga samtalet är det Harnoncourt jag fastnar - hur många gånger sökte jag inte svar hos honom? Jag har läst alla hans böcker, jag tycker mycket om hans sätt att tolka musik, framför allt tidig musik. Igår blev det "Die Musik als Klangrede" en ytterligare gång. Jag dyker in i hans inträngande språk, jag läser första kapitlet och till sist hittar jag den här meningen:

"Det går inte att leva utan musik, vi alla behöver den."

(Die Musik in unserem Leben -> pdf)


Nikolaus Harnoncourt - Homepage - Polar Music Prize

Kommentare:

Eithne hat gesagt…

ich glaube, dass auch tiere beispielsweise ein musikverständnis haben.... melodien gab's, bevor die sprache sich entwickelte.... weil sprache sich aus "koordinierten geräuschen" entwickelt hat.... und trommeln und dergleichen kennen auch primaten....
ich glaub, dass die stimme das instrument der instrumente ist, um ehrlich zu sein, weil's alles ausdrückt....
(meint mein cellolehrer auch: wenn ich irgendein stück nicht richtig oder nicht gut spiele im sinne von dynamik blabla, soll ichs singen, denn wenn ichs singen kann, kann ichs auch spielen, wie ichs empfinden - theoretisch ;) )

es ist immer die frage, was musik für einen ist, was man drunter versteht.... ob man es als die hohe kunst sieht in form von barocker und klassischer musik, oder einfach als ausdrucksform von gefühlen....

Wie das bei Pratchett heißt:

"what kind of music do you play ?
- kind ? there aren't any kinds, there's just music, there's always music if you listen...."

Keri hat gesagt…

Ich hab mal ein Buch über die australischen Ureinwohner und ihre Songlines gelesen - sie ersingen sich sozusagen ihren Weg. Was man nicht besingen kann, das existiert nicht. Oder so.

Du meinst also, dass der Singsang eher da war und sich daraus dann die Sprache entwickelt hat?

Aber das mit der Singerei im Cello-Unterricht kenne ich nur zu gut. Manchmal denken wir uns sogar kleine Texte zu den "heiklen" Passagen aus. Texte, die schon von der Wortmelodie her eine bestimmte Betonung verlangen.

Toll finde ich, dass man die Musik eigentlich immer wieder neu "erfindet", wenn man sie spielt. Jeder spielt ein Stück ein bisschen anders. Und bei jedem kommt es wiederum ein bisschen anders an. (Mein Sohn muss in der Schule gerade irgendwelche Musik-Rezeptionstypen auswendig lernen. Oh Schreck...)

Eithne hat gesagt…

ich denke, musik ist ein teil von sprache, und sprache hat viel mit musik zu tun.... sprachmelodie zum beispiel.... ein kind versteht erst den klang eines wortes und lernt dann die bedeutung.... man empfindet bei fremden wörtern die bedeutung durch tonfall, aussprache, konsnanten-vokal-verhältnis und und und.... aber im grunde baut sich das auf wie musik... denke ich....

möglich, dass sich musik als bedeutungsträger mit der sprache (in welcher form auch immer) zusammen entwickelt hat, oder hochentwickelt hat.....

singsang ? naja, wenn du babys beim lallen zuhörst, reden tun sie irgendwie nicht, aber melodien gibts schon.... summen oder lalalalalala oder sowas, in verschiedenen tonabfolgen....

keine ahnung, ich betrachte das nicht wissenschaftlich.... aber ich empfinde sprache als natürlicherweise mit musik/melodien verbunden....