Dienstag, 5. Februar 2008

Vorsicht, Zampern!

Die GeoGrafen sagen manchmal: Hier verläuft eine Wasserscheide. Dann fließt das Wasser auf der einen Seite in die Ostsee und auf der anderen Seite in die Nordsee. Oder in ein anderes schönes Meer. Hier ganz in der Nähe von Berlin gibt es eine ziemlich unspektakuläre Wasserscheide. Fährt man an St. Moritz vorbei, findet man natürlich eine angeberische - gleich mit drei Meeren. Auch Wetterscheiden soll es geben, habe ich gehört. Aber wie die funktionierten, weiß ich nicht. Sonne hier und Schnee da?

Die kleine Stadt Dahme, wo meine Oma wohnt, liegt jedenfalls auf einer Kulturscheide. Nach Osten hin wird es immer slawischer bzw. sorbischer - und nach Westen hin beginnt der Fläming mit seinem ganz speziellen Charakter. Aber die Leute, die in Dahme wohnen (sie nennen sich Dahmenser), die finden das nicht schlecht, denn sie nehmen gerne alles mit: die uralten slawischen Bräuche und dazu die von den Flamen in den Fläming importierten. Auf diese Weise gibt es immer was zu feiern und in der Küche viel Abwechslung.


Dieses Dorf im Amt Dahme liegt direkt auf einer Kulturscheide.

Nehmen wir das Zampern. Das ist ein uralter sorbischer Brauch und man macht es kurz vor der Fastenzeit. Einige sagen "damit treiben wir den Winter aus", für andere sind es böse Geister. Und schön ertragreich soll es doch werden, das neue Jahr. Aber eigentlich geht es nur darum, lustig bunt oder schrecklich auszusehen, viel Krach zu machen und an den Türen um Speis und Trank zu bitten. Um etwas zu bekommen, muss man singen oder Verse aufsagen. Der Vers, der in Dahme angewendet wird, geht so:

Zemper zemper Donnerstag, morgen ist der Freitag.
Oben inne Ferschte hängen die langen Bratwerschte.
Geben Sie uns die langen, lasst die koartschen blammen.
Geben Sie uns ein Stück Speck, damit geh'n wir weiter weg.
Ich bin der kleine Nix, macht 'n bisschen fix!
Ich bin der kleine Kenig, gebt mir nicht so wenig!
Ich bin der kleine Mann, der alles essen kann!
Ich komme angeloofen; ich sehe eiern Schornstein roochen.
Ich denke, ihr bäckt Eiserkuchen!
Gebt Ihr mir einen, so geh ick, geben Sie zweie, so steh ick.
Geben Sie dreie, so huck ich Euch alle int Himmelreich!
Bier in die Flasche, Geld in die Tasche,
Eier im Kober, Gold im Schober,
lassen Sie mich nicht so lange stehen,
ich will noch weiter zempern gehen!

Ich glaube, es ist ein lustiger Brauch, denn alle Altersgruppen und Stände machen mit. In Dahme heißt es übrigens "Zempern" und nicht "Zampern", wahrscheinlich wegen der Kulturscheide. Trotzdem ist das Leben in einem solch hin- und hergerissenen Ort wohl nicht immer ganz einfach. Manchmal gibt es augenscheinlich auch Probleme mit der Kulturvielfalt aus zwei so unterschiedlichen Richtungen. So habe ich doch letztens in Dahme ein Schild entdeckt, auf dem stand: Wenden verboten! ("Wenden" ist ein anderes Wort für "Sorben".) Und das stand mitten auf der Straße!


Zampern sieht auch ein bisschen wie Halloween aus...

Geograferna säger ibland: Här går en vattendelare. Och då menar de att vattnet på den ena sidan rinner ner för att mynna ut till exempel i Östersjön och vattnet på den andra sidan rinner ut i något annat vackert hav. Strax i närheten av Berlin har vi en ganska ospektakulär vattendelare. Åker man däremot förbi St. Moritz upp till en pass så kan man se hur det går på riktigt. Sedan har jag hört talas om väderdelare. Men hur de fungerar vet jag inte. Sol på den ena sidan och snö på den andra?

Genom den lilla staden Dahme där min mormor bor går i alla fall en kulturdelare. Vänder man sig mot öster blir det mer och mer slaviskt eller rättare sagt sorbiskt och vänder man sig mot väster kommer man mer och mer till det genuina Fläming-området där en gång flamländare kom som nybyggare för att tränga undan slaverna. Folk som bor i Dahme (de kallar sig Dahmenser) har ingenting emot att leva på en sådan kulturdelare. De firar året runt alla slaviska och alla Fläming-fester och de har på det viset alltid tillräckligt omväxlande i köket.

Tar vi till exempel en sed som kallas för "Zampern". Den är urgammal och kommer från sorbiska trakter. Man använder den strax innan fastetiden börjar och syftet är att driva ut vintern eller att skrämma iväg elaka spöke. Och så önskar man att det blir ett bördigt år. Därför har man färgrika kläder på sig och ibland förskräckande maskerad. Dessutom blir det larm och buller, man sjunger och deklamerar verser framför dörrarna där man ber om mat och dryck. En vers man brukar säga i Dahme finns i den tyska versionen ovan. I Dahme heter det förresten "Zempern" och inte "Zampern". Men det kanske har med kulturdelaren att göra.


Här finns flera bilder.


Achtung, es sind Zamperer unterwegs!

Kommentare:

krakri hat gesagt…

Von Zampern hatte ich bisher noch nie gehört. Ist der Fasching dann auch ganz anders als in anderen Gegenden? Oder kommt es da zur Vermischung?
Übrigens kenne ich aus meiner Kindheit, dass wir auch von Tür zu Tür gegangen sind und "Asche gekehrt" haben. Da gab es auch so einen kleinen Spruch. Ich glaube heute machen die Kinder das gar nicht mehr.
Und ich mochte das als Kind überhaupt nicht, weil man da bei fremden Leuten klingeln musste. Da kommt dann doch die Schüchternheit heraus.

Keri hat gesagt…

Also für Fasching bzw. Karneval hatte ich noch nie etwas übrig und weiß darüber auch nicht so viel. Unterschiedliche Bräuche, je nach Region, gibt es aber schon. Im Herzen der Lausitz, in Cottbus, findet jedenfalls der größte Karnevalsumzug in Ostdeutschland statt. Wieweit der dem im Rheinland ähnelt, weiß ich aber nicht. Von einem Kollegen, der aus Süddeutschland kommt, habe ich mir erzählen lassen, dass es dort auch ganz urische Bräuche zur Fastnacht gibt und dass es etwas anderes als Köln oder Mainz ist.

Aber bei fremden Leuten hätte ich auch nicht gern geklingelt!

krakri hat gesagt…

Ich find Karneval wirklich suspekt. Also, eine kleine Faschingsfete irgendwo, verkleidet mit Freunden. Das ist ok. Aber dieses ganze Trara mit Umzug, peinlichen Reden und Funkemariechen. Neeee..
Oh,über den Umzug in Cottbus habe ich sogar was gelesen.

Weisst du, was ich seltsam finde. Wenn ich "Lausitz" lese, denke ich automatisch an die Oberlausitz, also Zittau und so. Das die in Brandenburg weitergeht, vergesse ich immer.

Keri hat gesagt…

In Berlin ist das närrische Treiben ja nun auch angekommen, nachdem so viele Regierungs-Rheinländer von Bonn nach Berlin umziehen mussten. Da kann man - wenn die Narren losgelassen - nur noch ausreißen. Und das Spreeufer am Schiffbauerdamm vor der Kölsch-Kneipe "Die Ständige Vertretung" ist inzwischen mit "Rheinterrassen" beschriftet. Die haben sie ja nicht mehr alle.

Was die Niederlausitz angeht: Hast du "Der Laden" von Erwin Strittmatter gelesen? Er beschreibt die Lausitz im Südosten von Brandenburg ganz wunderbar. Die Lausitz der kleinen Leute.

krakri hat gesagt…

Oh nein, haben die das wirklich mit "Rheinterrassen" beschriftet? In Sachsen-Anhalt wird ja auch kräftig gefeiert. Hier in Sachsen hat man eher Ruhe, zum Glück!

Strittmatters "Der Laden" habe ich gelesen und auch die Verfilmung mehrfach gesehen. Die Lausitz der "kleinen Leute" ist wirklich eine schöne Beschreibung. Ich muss gestehen, dass mir die Gegend wirklich nur aus der Literatur bekannt ist.

Keri hat gesagt…

Die "Laden"-Filme sind lustigerweise gar nicht in der Lausitz, sondern in der Prignitz gedreht. Das Film-Dorf habe ich mir mal angekiekt. Das Lausitz-Dorf kenne ich auch nicht.

krakri hat gesagt…

Jetzt muss ich mich mal bei Wikipedia schlau machen, wo denn genau die Prignitz liegt. Peinlich peinlich, oder?! ;)

Sieht das denn sehr unterschiedlich aus? Oder ähnelt sich die Landschaft?

Keri hat gesagt…

Ich glaube, die Filmleute hatten damals eher nach dem passenden Dörflein Ausschau gehalten. Backsteinhäuser, ein kleines Kirchlein, Feldwege... Alles ein bisschen verträumt und vom Fortschritt ganz vergessen. Aber beide Gegenden werden ja von Flusslandschaften geprägt. In der Lausitz sind es die Neiße und die Spree, in der Prignitz die Havel und die Elbe. Und die Prignitz ist vielleicht heute (wieder) so dünn besiedelt, wie es die Lausitz damals war...

Bodil Z hat gesagt…

Über Wasserscheiden kann man auch hier lesen:
http://franskaromaner.blogspot.com/2008/02/verkurs-i-flodlra-europa.html

Es sieht aus als ob unser "Flusstema" schon in Bewegung sei...

Keri hat gesagt…

Hej Bodil,

Hier ist noch mal dein Link auf die Seite mit den Wasserscheiden. (Leider werden lange Links hier immer abgeschnitten...)

Und für unser Flussprojekt habe ich schon ein paar interessante Sachen im Kopf. Mal sehen, wie wir das dann machen. :-)