Freitag, 18. Januar 2008

Erosion

Die Kreidefelsen auf Rügen bröckeln wieder. Jetzt im Winter und vor allem, wenn Frost und Nässe sich abwechseln, dann brechen oft große Stücke ab und fallen auf den Strand oder ins Meer. Es ist nicht ganz ungefährlich, zu dieser Jahreszeit dort zu wandern. Vor zwei Jahren habe ich es trotzdem gemacht. Da waren einen Winter zuvor gerade die Wissower Klinken abgebrochen. Ungefähr 50.000 m³ Kreide sind damals ins Meer gestürzt. Das sind mehr als 120 Lkw-Ladungen.

Kalkklipporna på ön Rügen
smular sig igen. Nu på vintern och framförallt när det är minusgrader och blött väder omväxlande då ramlar det ofta ner stora bitar av klinten och hamnar på stranden eller i havet. Det är inte ofarligt att vandra där så här års. För två år sedan gjorde jag det ändå. Då hade vintern innan just brustit Wissower Klinken. Ungefär 50.000 m³ kalk ramlade ner i havet då. Det är mer än 120 lastbilar kan köra iväg.


Die Wissower Klinken - Juni 2004


Die Wissower Klinken - Februar 2006



Erosion


Vattnet blir vitt när de vita klipporna brister...


Andere gehen in die Kirche, wenn sie Trost suchen. Ich gehe auf Rügen wandern. Allein. Da finde ich Besinnung. Das Meer in seiner Weite und die spröden weißen Felsen in ihrer Vergänglichkeit geben mir neue Kraft. Und manchmal liege ich dann sogar vor einem Kreide-Altar auf den Knien...

Andra går i kyrkan när de söker tröst. Jag vandrar på ön Rügen. Ensam. Då blir det även en inre resa. Havets vidd och de bräckliga vita klippornas förgänglighet ger mig kraft på nytt. Och ibland hamnar jag till och med på knä framför ett kalkaltare...






* * *

Wandere!

Wenn dich ein Weib verrathen hat,
So liebe flink eine Andre;
Noch besser wär' es, du ließest die Stadt -
Schnüre den Ranzen und wandre!

Du findest bald einen blauen See,
Umringt von Trauerweiden;
Hier weinst du aus dein kleines Weh
Und deine engen Leiden.

Wenn du den steilen Berg ersteigst,
Wirst du beträchtlich ächzen;
Doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,
Hörst du die Adler krächzen.

Dort wirst du selbst ein Adler fast,
Du bist wie neugeboren,
Du fühlst dich frey, du fühlst du hast
Dort unten nicht viel verloren.

Heinrich Heine

Kommentare:

eadha hat gesagt…

geht mir ähnlich, das meer hat eine unglaubliche kraft, wenn man die see achtet, sie nicht unterschätzt, nicht überschätzt, gibt sie einem kraft....

Keri hat gesagt…

Na ja, das Meer allein ist es gar nicht. Es ist diese Küste dort, die sich ständig verändert, die dem Zahn der Zeit genauso ausgesetzt ist wie wir selbst. Kreidefelsen, die eigentlich gar keine Felsen sind...

Anonym hat gesagt…

Lied vom Meer
Capri, Piccola Marina

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
uraltes Wehn vom Meer
welches weht
nur wie für Urgestein,
lauter Raum
reißend von weit herein.

O wie fühlt dich ein
treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

Rilke

Keri hat gesagt…

:-)

Nudel hat gesagt…

Der Wind und das Meer:
Der Pessimist beschwert sich über den Wind, der Optimist hofft, dass er sich dreht und der Realist richtet seine Segel danach aus.
(William Arthur Ward)

Die Welt hätte einfach sein können, so wie der Himmel und das Meer...
(William Arthur Ward)

Aber mein Lieblingsautor über dieses Thema ist die Möwe Jonathan, die am schönsten beschreibt, was Freiheit ist, wenn man über den Ozean im Sturzflug gleitet...

Keri hat gesagt…

Danke, du. Und das Buch mit der Möwe muss ich unbedingt auch mal wieder in die Hand nehmen!

Aber dein Meer, das ja ein ganzer Ozean ist, und deine Küste, die sind auch grandios! Die Weite dort und das Spiel der Gezeiten und des Windes mit dem Sand - das haut mich immer wieder um. Wird Zeit, dass ich euch wieder mal besuche!

Claudia Duffé hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
nudel hat gesagt…

Ja, wird höchste Zeit!
Du wirst staunen!
Es gibt einen neuen Strand in La Palmyre! Der Wind und das Meer haben das Gesicht der Küste hier stark verändert.
Klimaerwärmung oder einfach nur der Zahn der Zeit???

Keri hat gesagt…

Hm. Das Wetter spielt schon ziemlich verrückt in der letzten Zeit. Aber vielleicht hat es das ja schon immer getan und heute denkt man gleich "Klimaerwärmung", "Ozonloch".

Na, Hauptsache, der Phare de la Coubre steht noch an seinem Platz und nicht plötzlich mitten im Meer...

Nudel hat gesagt…

Im Moment hat er die Füsse noch nicht im Wasser, da würde er auch Ärger kriegen mit dem Phare de Cordouan, das ist seine Domaine, Mitte im Meer herumzustehen und Touiristen anzulocken,wenn er nicht gerade Schiffe lotst...

Keri hat gesagt…

Ja, zwei Inselleuchttürme, das ist dann wohl einer zuviel...

;-)